1.000.000 Menschen, zwei Messen, ein Papst, kein Bus
Ich bin wieder da vom Weltjugendtag 2005. Nun kann ich also meinen kleinen aber feinen Bericht abgeben. Aber zunächst nochmal vielen Dank an Matthes, Petra und Jan, die uns freundlichweise bei sich haben übernachten lassen. Danke.
Die meisten werden ja bereits in Radio und Fernsehen was vom WJT mitbekommen haben und dazu muss ich einfach mal frei raus sagen: So war es nicht. Es war wirklich super. Die Stimmung war unglaublich, Menschenmassen soweit das Auge reichte, überall Fahnen – alle waren gut gelaunt. Einige der Pilger, die nachts auf dem Feld geschlafen hatten waren ein bisschen erschöpft oder schliefen einfach während der Messe durch, aber niemand war unfreundlich, es gab kein Geschubse oder Gedränge und schon gar kein Chaos, wie die Medien es berichten, zumindest nicht wo wie waren. Und wir waren nahzu überall.
Und dann war da natürlich noch Be-ne-det-to, der fast schon ein bisschen frenetisch bejubelt wurde und sichtlich gut gelaunt war, obwohl er dem Personenkult um sich ja ansonsten eher abgeneigt ist. Immer mal wieder musste er seine Rede unterbrechen weil die Leute einfach gejubelt, geklatscht oder seinen Namen gerufen haben. Man mag von ihm halten was man will, gut verkauft hat er sich auf jeden Fall. Und auch der Gottesdienst selber war – wie die Vigilfeier am abend zuvor, wir waren ja nicht ganz so spontan gekommen wie andere – wirklich schön. Zum einen, weil der Papst kein schlechter Redner ist, zum anderen weil man sich einfach von der unglaublichen Stimmung mitreißen lassen konnte. Wir standen fast ganz vorne (zwischen den Feldern A1 und A2, wer da war weiß Bescheid) und konnten den Papst im Gegensatz zu den meisten anderen, die ihn nur auf den gigantischen Monitoren verfolgen konnten, wirklich „live“ erleben.
Erleben konnte man auch die ganz unterschiedlichen Sitten der verschiedenen Länder. Wo sich Deutsche die Hand als Zeichen des Friedens schütteln, da umarmen und küssen sich Argentinier und Brasilianer, die nach der Messe auch spontan anfingen zu singen und tanzen. Argentinierinnen und Brasilianerinnen waren auch nicht ganz unschludig an der erstaunlich hohen Quote gutaussehnder Mitchristinnen, von denen es eine ganze Menge dort gab.
Die Messen (ist eine Vigil eigentlich eine Messe?) waren also ein voller Erfolg und auf jeden Fall ein Erlebnis, das zu verpassen wirklich ärgerlich gewesen wäre, aber wo Licht ist, da ist auch Schatten. In diesem Falle hatte der Schatten einen Namen: KVB, kurz für Kölner Verkehrsbetriebe. Irgendwie scheint man da nicht mit einer Million Besucher gerechnet zu haben. Da gab es Shuttlebusse, die 15km (!) entfernt vom Marienfeld gehalten haben, Fahrer die selber nicht wussten, wohin sie mit ihren Bussen mussten, einen gesperrten Bahnhof und eine Menge Warterei. Um es mal in Zahlen zu fassen: Erst sieben Stunden nach Ende der Messe konnten wir einen Shuttlebus ergattern, viele mussten sogat 10 Stunden oder länger warten. Dem Vernehmen nach wurden heute morgen noch die letzten Pilger versorgt.
Aber wie alle anderen auch haben wir versucht, das beste aus der Situation zu machen, uns ins Gras gelegt und einfach mal eine Runde ausgeruht. Später konnten wir dann sogar einen Hochsitz ergattern, was eine schöne Sicht auf die Pilgerströme bot. Nervend war die viele Lauferei von Bahnhof zu Bahnhof natürlich schon, aber so schlimm wie im Fernsehen gesagt war es dann auch wieder nicht. Soweit ich sehen konnte waren eigentlich Leute trotzdem guter Laune, wozu man allerdings sagen muss, dass wir nicht in Horrem waren. Dort muss es wohl am schlimmsten gewesen sein.
Alles in allem war es ein wirklich einmaliges Erlebnis, dass ich jedem jederzeit empfehlen würde. Fotos hab ich natürlich auch, 133 Stück: Fotos.











