Studiengebühren findet anscheinend keiner gut, außer mir. Dabei sind Studiengebühren eine gute Sache, sie machen aus dem lästigen Übel Student den gefragten Bildungskonsumenten Student, zumindest aus Uni-Sicht. Das heißt nichts anderes, als das die Universitäten sich wesentlich mehr bemühen werden, gute Studienbedingungen für ihre Studenten zu schaffen, denn die bringen immerhin das Geld rein. Für die Studis hat das wiederum den Vorteil, dass sie auf Dauer wesentlich bessere Bedingungen vorfinden werden als jetzt.
Natürlich ist abzusehen, dass es nicht jede Uni jedem Studenten recht machen kann, also werden sich die Bildungseinrichtungen zunehmend spezialisieren, wie man es zum Beispiel in den USA sieht, Jura in Harvard, Informatik und Technik in Massachusetts etc. Der Nachteil dabei: Unter Umständen muss man durch das halbe Land ziehen um zu „seiner“ Uni zu kommen. Der unschlagbare Vorteil: Dort erhält man eine Ausbildung, die sich auch international sehen lassen kann. In Zeiten der allseits beliebten Globalisierung ein unschätzbarer Vorteil.
„Bildung soll aber kostenlos sein“, „Ruhe, reicher Lümmel“ (dabei bin ich gar nicht reich, selbst für studentische Verhältnisse nicht) und „Abzocke“ schreien jetzt sicher schon die ersten, aber das vor allem auch, weil die Landesregierung alles andere als einen guten Job dabei macht, Studenten und Schülern die Gebühren zu vermitteln. 500 € im Semester klingt erstmal viel, zu viel. Was die wenigsten wissen: Hier bei uns, in NRW, muss man die Studiengebühren erst nach dem Studium zahlen. Zunächst mal erhält man ein (zinsgünstiges) Darlehen, dass man dann erst dann zurückzahlen muss, wenn man mehr als 35.000 € im Jahr verdient, dem BAföG nicht unähnlich. Niemand muss also Angst haben, von der Uni in die Gosse zu wandern, zumal man so oder so maximal 10.000 € zurückzahlen muss, egal wie viel Kredit man nun aufgenommen hat. Abschreckend ist das höchstens für diejenigen, für die Studieren ein Selbstzweck ist, für die könnte es tatsächlich irgendwann teuer werden, was aber sicher weder unbeabsichtigt noch falsch ist. Immerhin sind Universitäten keine Vergnügungseinrichtungen, sondern verfolgen ein konkretes Ziel. Wer nur des Studentenlebens wegen kommt, der soll auch entweder dafür zahlen, oder sich gleich nach etwas anderem umsehen.
Bleibt eigentlich nur noch das „Will aber Bildung umsonst!“-Argument. Das ist so abwegig nicht, denn immerhin kann, soll und muss ein Staat wie Deutschland in einer Welt wie dieser zu Zeiten wie diesen (womit wir wieder bei der Globalisierung wären) nur in Bildung investieren wenn ihm seine Zukunft und die seiner Bürger am Herzen liegt. Allerdings ist mein Studium in allererster Linie meine Investition in meine Zukunft und erst an zweiter Stelle eine Investiton des Staates in seine. Ich will nicht studieren, damit es Deutschland besser geht, sondern damit ich später mehr verdiene und in einem Beruf arbeite, der mir Spaß macht. Da kann ich wohl kaum erwarten, dass Vater Staat mir meine Ambitionen finanziert. Würden die staatlichen Zuschüsse wie z.B. das BAföG komplett gestrichen, dann würde ich auch Demonstrieren, aber das ich einen Teil der Kosten einer Weiterbildung, die zum Großteil zu meinem eigenen und nur zu einem kleinen zum Nutzen des Staates ist, trage, das darf man schon von mir erwarten. Und wenn das Land diesen Teil dann noch als eine Art Erfolgspauschale anlegt, die ich nur zahle, wenn sich mein Studium für mich auszahlt, dann ist das mehr als fair.
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