Seit einigen Tagen darf man sich als Teilnehmer an Microsofts Customer Preview Programm das neue Windows Vista, Release Candidate 1 herunterladen. Den Unterschied zu den vorherigen Releases erkennt man schon am Namen: Es ist keine Beta-Version mehr. Da ich damals einer der der glücklichen war, die die Beta ausprobieren durften, und ich meinen CD-Key nicht verlegt habe, durfte ich mich also das gut vier Gigabyte große DVD-Image bei Microsoft herunterladen, brennen und dann Vista installieren. Die Installation verlief einfach und reibungslos. Die DVD ist zwar auch bootfähig, ich habe mich aber zum Setup aus Windows XP heraus entschlossen. Dadurch bietet sich dann auch gleich die Möglichkeit, das XP-System upzudaten, was mir dann aber doch zu riskant war. Stattdessen musste meine Linux-Partition für die Installation herhalten – Adieu Suse, Aloha Vista!
Was nach der Installation gleich auffällt: Microsoft war großzügig – ein frisches Windows Vista Ultimate grinst einem entgegen, dem Spieltrieb sind also keine Grenzen gesetzt. Die nach der Installation folgende Einrichtung ist simpel und sinnvoll. Zunächst legt man einen Benutzer an (ist also nicht mehr standardmäßig Administrator), wählt sein Bildchen, Hintergrund, Zeitzone und wo der PC steht (Zuhause, Arbeitsplatz, Öffentlicher Bereich). Letzteres dienst Vista zur automatischen Netzwerkkonfiguration, ich nehme mal an, dass vor allem die Firewall-Einstellungen davon betroffen sind. Nach der Auswahl „Zuhause“ folgt kein weiteres Fenster mehr, daher kann ich da nicht viel sagen.
Nach abgeschlossener Installation darf man sich erstmal in aller Ruhe umsehen. Meine gesamte Hardware hat Vista automatisch erkannt, für Modem und Soundkarte automatisch aktuellere Treiber geladen und installiert und nun kann ich loslegen. Was sofort auffällt, ist die Geschwindigkeit. Während die Beta 2 noch ächzte und krächzte und für jedes neu geöffnete Fenster genüßlich eine Minute lud, ist der RC1 im Grunde nicht langsamer als mein XP SP2. Mein Laptop versagt beim Grafiktest leider kläglich, daher bekomme ich keine Glass-Effekte und Co., sondern muss mich mit dem schlichten neuen Design abgeben. Das bietet allerdings auch schon einige praktische Neuerungen, die man am Besten auf den Screenshots weiter unten erkennen kann. Für Ordner voller Bilder bietet Vista es an, die Dateinamen auszublenden und die Symbole riesengroß zu machen, so dass man das gesuchte Bild wesentlich schneller findet als noch unter XP. Die Größe der Icons ist dabei stufenlos regelbar, was nicht heißt, dass man auf Voreinstellungen verzichen müsste. Für jeden Ordnertyp ist etwas sinnvolles dabei, von der klassischen Liste über die XP-Kacheln bis zu den großen Vorschau-Bildern.
Apropos Bilder: Das neue Windows ist schon sehr auf Multimedia ausgerichtet. So gibt es gleich drei Programme und Bilder zu betrachten: Die bekannte Vorschau (allerdings in neuem Design), die Windows-Fotogalerie (eine Art iPhoto) und den Windows Media Center (WMC). Der WMC war bei Windows XP noch ein eigenes Betriebssystem (die Media Center Edition), beim jüngsten Spross ist es nur noch ein Programm. Einmal gestartet, bietet sich eine ähnliche Oberfläche wie von der MCE bekannt, allerding mit noch mehr Optionen, die ich auf meinem schwächelnden Laptop leider gar nicht alle nutzen kann. Entsprechende Hardware vorausgesetzt kann man auf jeden Fall Radio hören, TV gucken, aufnehmen, abspielen, DVDs und Filme sehen (auch On Demand übers Netz), MP3s und Musik-CDs hören und letztere auch rippen. Dazu gibt es Visualisierungen, Anbindungen an Online-Foto-Services und allerlei mehr. Das ganze kann man dann auch über einen „Media Extender“ laufen lassen. Die Xbox 360 ist zum Beispiel so ein Extender, das werde ich dann in Münster mal ausprobieren, die sollte mehr als genug Leistung für Visualisierung und Co. mitbringen. Das ganze sieht sehr nett aus, falls es auf der Xbox laufen sollte, werde ich dem noch mal einen gesonderten Beitrag widmen, auf meinem Laptop ist es, wie bereits gesagt, nicht zu gebrauchen.
Doch auch ohne Media Center gibt es was für die Augen bzw. Ohren, denn der neue Windows Media Player 11 ist auch schon mit an Bord. Der hat im Gegensatz zum Vorgänger ein rundum erneuertes Design, spielt aber immer noch Musik, Videos und Bilder (damit hätten wir schon vier Programme dafür). Im Gegensatz zum Vorgänger scheint der sogar schneller geworden zu sein und mehr Codecs zu können. Wer aber Videos in obskuren Formaten sehen möchte, kommt wohl nach wie vor nicht um den VLC Player herum. Womit wir bei der Anwendungskompatibilität wären.
Die Windows Vista Beta 2 tat sich nicht gerade dadurc hervor, dass man seine lieb gewordenen Programme einfach weiter hätte verwenden können, selbst Trillian lief nur als Administrator und nachdem man drei Sicherheitsmeldungen weggeklickt hatte. Inzwischen darf man fast alles als User starten und auch die in der Beta noch omnipräsenten Sicherheitsabfragen sind etwas weniger und vor allem komfortabler geworden. So gibt es jetzt die Möglichkeit, die Ausführung eines Programmes einmal und für alle Zeit zuzulassen, anstatt jedes Mal von neuem durch den lustigen Fenterreigen zu manövrieren. Die neueste Version der Office 12 Beta soll wohl auch unter Vista laufen, die habe ich aber nicht, weil ich nicht gewillt bin, 1,50€ für einen Download zu zahlen (wenn jemand da einen Bittorrent-Link oder gar eine fertige DVD hätte – immer her damit. Angemeldet bin ich bereits). Ansonsten läuft alles recht problemlos, sogar mein downloadr, der unter Beta 2 noch den Dienst verweigerte, läuft jetzt problemlos – dank .NET sogar automatisch im neuen Design.
Was lässt sich abschließend sagen? Dass Windows Vista seit der letzten Beta auf jeden Fall deutlich gereift ist und für mich bereits jetzt eine Alternative zu XP darstellt. Ich überlege bereits, dabei zu bleiben und meine alten Daten rüberzuziehen. Der Langzeittest wird zeigen, ob die Geschwindigkeit tatsächlich so gut ist wie es der erste Blick vermuten lässt (sprich: ob es auch im gleichen Zumüllungsfaktor wie XP noch angenehm läuft) und ob der Media Center über Xbox funktioniert und was taugt. Über Vista wird es bald sicher noch einen Post geben, denn vieles habe ich jetzt aus Platzgründen einfach weg gelassen, z.B. die Sidebar samt Widgets, die neue Suchfunktion, die neue Systemsteuerung und vieles mehr. Ach und zum Schluss noch der Downloadlink, hier. Aber vorsicht, wer nicht im CPP ist, kann damit nichts anfangen (glaube ich).